Einfache Kinderlieder für den Kita-Alltag: Andreas Schoba (Kindergarten-Lieder.de) im Interview
Wie entstehen einfache Kinderlieder für die Kita, die im Morgenkreis sofort funktionieren? Und warum ist weniger oft mehr? Ich habe mit Kinderliedermacher Andreas Schoba (kindergarten-lieder.de) darüber gesprochen, wie er vom Apotheker zum Ersteller erfolgreicher Kita-Materialien wurde – und welche Rolle die kindliche Stimmlage beim Komponieren spielt.
Steckbrief: Kinderliedermacher Andreas Schoba
- Name: Andreas Schoba
- Spitzname: Andi
- Wohnort: Pfrondorf bei Tübingen
- Beruf: Approbierter Apotheker / Quereinsteiger in einer Werbeagentur (SEO, Webdesign & Performance-Marketing)
- Projekt: www.kindergarten-lieder.de
- Musikalische Nebenprojekte: Punkrock-Band „The Mash Ups“ (Reutlingen)

Andreas Schoba & seine Kindermusik zum Streamen…
Ihr findet Andreas Schoba mit seinen handgemachten Kinderliedern auch auf den gängigen Streamingportalen.
1. Musikalische Philosophie: Warum einfache Kinderlieder für die Kita so gut funktionieren
Wie bist du zur Kindermusik gekommen?
Andreas: Zur Kindermusik bin ich 2020 gekommen. Mein Sohn war damals drei Jahre alt und ich war bereits viel im Erwachsenengenre musikalisch unterwegs. Ich suchte für meinen Sohn schöne Kindermusik, wie ich sie damals von Fredrik Vahle gehört hatte, fand aber zu dieser Zeit überhaupt nichts in der Richtung. Also beschloss ich kurzerhand selbst die Gitarre in die Hand zu nehmen und die ersten Kinderlieder zu schreiben (Die kleine Hexe wohnt im Hexenhaus, Mein Kind und Kinder Boogie). Als ich die Lieder ins Netz stellte, merkte ich, dass ich hier einen Nerv getroffen habe und viele Menschen, besonders im pädagogischen Umfeld, diese Lieder gerne mochten und weiterverwendeten.
Was macht deine Musik aus?
Andreas: Wie es der Name des Projekts schon sagt – Kinderlieder einfach handgemacht. Die Lieder werden ausschließlich mit akustischen Instrumenten aufgenommen (Gitarre, Percussion, manchmal Cajon und Gesang). Die Idee dahinter ist, dass Pädagog:innen und Eltern die Kinderlieder einfach nachsingen und nachspielen können.
Du setzt bewusst auf akustische, reduzierte Arrangements statt auf dichte Pop-Produktionen. Hast du Vorbilder?
Andreas: Mein absolutes Vorbild für diese Art der Kindermusik ist Fredrik Vahle, den ich selbst als Kind rauf und runter gehört habe. Ich hatte das große Glück, ihn vor einigen Jahren in Hamburg persönlich zu treffen. Ein sehr inspirierendes Erlebnis, was mich noch mehr bestärkt hat, diesen Kurs weiterzufahren.
Hier kannst du dir einen Eindruck von Andreas Schobas akustischem Stil machen – mit seinem Lied „Der Frosch“:
Video: Andreas Schoba – „Der Frosch“. Ein Beispiel für einfache Bewegungs- und Mitmachlieder im Kindergarten.
Warum ist diese musikalische Klarheit für Kleinkinder und den Kita-Alltag deiner Meinung nach besonders gut geeignet?
Andreas: Ich denke, dass die akustische Form der Kindermusik besonders für den Kita-Alltag geeignet ist, da es sehr einfach und schnell umsetzbar ist, die Lieder zum Beispiel mit der Gitarre zu begleiten. Dennoch sehen die Kinder hautnah, wie hier live musiziert wird. Das ist einfach etwas anderes, als Lieder vom CD-Player oder der Tonie-Box zu hören. Ich merke es selbst, wenn ich im Kreise von kleinen Kindern meine Gitarre auspacke und die Augen plötzlich ganz groß werden.
Deine Lieder und Gedichte sind oft sehr kurz und auf den Punkt. Nach welchen Kriterien entscheidest du beim Schreiben, was gestrichen werden muss, damit ein Lied im Morgenkreis funktioniert?
Andreas: Meine Erfahrung hat gezeigt: Kurze Kinderlieder funktionieren in Kita und Kindergarten häufig besser. Ich habe es mit meinen eigenen Kindern im Kleinkindalter selbst ausprobiert. Lange Songs mit vielen Strophen überfordern die Kinder in dieser Altersklasse oft und sie verlieren schnell die Lust. Von den Fachkräften wurden meine kurzen und einfachen Kinderlieder deshalb häufig auch besser angenommen und in der Praxis mehr verwendet. Das war mein großes Ziel – und ist es bis heute. Deshalb habe ich mich irgendwann bewusst entschieden, in diese Richtung mehr zu machen.
„Damit ein Lied im Morgenkreis gut funktioniert, bieten sich Verse an, die sich wiederholen. Zudem sollte das Lied nicht zu schnell sein und im besten Fall mit Bewegungen begleitet werden können. All dies habe ich bei meinen ersten Versuchen im Kinderlieder-Genre auch noch nicht beachtet und erst mit der Zeit bemerkt. Heute achte ich da mehr drauf.“ — Andreas Schoba
Auch die Tonhöhe ist eine wichtige Komponente. Manche meiner Lieder, die ich zu Beginn geschrieben hatte, waren für die kindliche Stimme schlicht zu tief. Diese Rückmeldung habe ich von Profis aus der musikalischen Früherziehung erhalten. Nun achte ich beim Schreiben verstärkt darauf, dass die Töne im kindlichen Tonhöhenbereich liegen. Vorschulkinder bewegen sich hier zum Beispiel typischerweise im Bereich c¹ bis a¹.
Praxistipps für deinen Morgenkreis…
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2. Aus der Praxis für die Praxis: Arbeitsmaterialien & Hürden im Morgenkreis
Du erstellst gezielt fertige Pakete für pädagogische Fachkräfte. Was ist die größte Hürde für Erzieher:innen beim Musizieren – und wie hilft dein Material?
Andreas: Die größte Hürde ist vermutlich, dass viele Erzieher:innen kein Instrument spielen können und sich damit schwer tun, rein durch Gesang mit den Kindern zu musizieren. Allerdings bieten sich hier sehr viele Möglichkeiten, zum Beispiel auch durch den Einsatz von Percussion-Instrumenten.
Ich versuche stets, einfache Kinderlieder zu schreiben – häufig kurz, mit sehr wenigen und auch einfachen Akkorden für die Gitarre. Das soll den pädagogischen Fachkräften den Einstieg erleichtern und die Scheu nehmen, es mal auszuprobieren.
Du hast selbst keinen pädagogischen Beruf erlernt – wie kam es dazu, Material für den Kindergarten-Alltag zu entwickeln?
Andreas: Begonnen hat alles über Facebook-Gruppen, in denen sehr viele Pädagoginnen und Pädagoginnen unterwegs sind. Dort habe ich stets meine neuen Kinderlieder, Texte und kurzen Reime veröffentlicht. Beides kam sehr gut an. Da besonders im Herbst viele Fachkräfte neues Material suchen, kam mir 2025 die Idee, ein komplettes Herbstpaket in digitaler Form zu erstellen. Dort fügte ich Reime, Fingerspiele, Kinderlieder sowie Morgenkreis- und Projektideen zusammen.
Das Paket wurde hervorragend angenommen. Daraufhin habe ich ein komplettes Jahrespaket entwickelt. Das große „Kita-Ideen Paket“ haben inzwischen über 900 Pädagoginnen und Pädagoginnen im Einsatz. Das macht mich wirklich sehr froh.
Gibt es Gelegenheiten, bei denen du deine Lieder selbst vor Kindern aufführst?
Andreas: Tatsächlich hatte ich zunächst große Angst vor einem Live-Auftritt vor Kindern, da ich diese Zielgruppe als große Herausforderung gesehen habe. Im Bereich der Erwachsenenmusik stehe ich schon auf vielen Bühnen, aber den Sprung zur Live-Kindermusik habe ich bisher – abgesehen von einem kleinen Kinderlieder-Musical – noch nicht richtig vollzogen. Wer weiß, vielleicht wird dies ja in Zukunft ja nochmal ein Thema bei mir. Aktuell habe ich den Fokus jedoch auf andere Dinge, wie die digitalen Kita-Pakete und die Erstellung meiner Bücher und Liederbücher gelegt. Resonanz von Erzieher:innen bekomme ich dafür zuhauf über Social Media sowie über meinen Newsletter.
Wie entsteht ein pädagogisches Paket bei dir? Steht zuerst das pädagogische Thema (z. B. Jahreszeiten, Gefühle, Rituale) im Raum oder entsteht zuerst eine Melodie?
Meistens ist es jahreszeitenspezifisch. Das ist auch sehr naheliegend, da häufig danach gesucht wird. Zunehmend sind es aber auch große Bereiche in der Kita wie zum Beispiel der Morgenkreis oder Projektwochen in der Kita. Hierzu ist von mir vor kurzem auch ein eigenes Buch erschienen.
3. Digitalisierung, KI & die Zukunft der Kindermusik
Wie digitalisiert ist die Kita-Landschaft aus deiner Erfahrung inzwischen wirklich?
Andreas: Audio-Files sehe ich tatsächlich eher weniger, was sicherlich auch ein GEMA-Thema ist. PDF-Materialien gibt es inzwischen jedoch zuhauf. Besonders auf Pinterest, Instagram und Facebook ist die pädagogische Szene sehr aktiv und es werden viele PDF-Pakete zu vielfältigen Themen angeboten.
Wo siehst du die Zukunft von handgemachter, funktioneller Kindermusik – gerade im Zeitalter von KI?
Andreas: Handgemachte Musik, so wie ich sie mache, wird nie aussterben und in Zeiten von KI noch wertvoller werden. Das authentische Singen mit Gitarre direkt bei den Kindern in der Kita oder dem Kindergarten ist und bleibt ein wertvoller Teil der musikalischen Früherziehung. Wenn ich das Leuchten in den Augen der Kinder sehe, die mit Pädagog:innen im Kreis gemeinsam musizieren, geht mir das Herz auf. Wenn es dann noch meine eigenen Lieder sind – umso mehr!
Welches Feedback einer Erzieherin oder eines Kindes hat dir persönlich bisher am meisten bedeutet?
Andreas: Was mich unglaublich berührt, ist, wenn ich die Rückmeldung bekomme, dass meine Lieder in einer Einrichtung immer wieder mit den Kindern gesungen werden. Da weiß ich genau, warum ich das mache. Gibt es etwas Schöneres, als mit seinen eigenen Liedern die Kindheit so vieler Kinder zu prägen?
Und hast du zum Schluss noch einen schnellen Praxis-Tipp für den morgigen Morgenkreis?
Mein Tipp für die Praxis: Halte es einfach, nutze wiederkehrende Verse, ein ruhiges Tempo, kleine Bewegungselemente und achte darauf, dass die Tonlage für die kindliche Stimme nicht zu tief liegt!
Bildnachweise & Transparenz:
- Titelbild: Erstellt mit KI (Kinderliedergarten.de)
- Porträtfoto Andreas Schoba: Foto von Andreas Schoba (mit freundlicher Genehmigung)

